Kultur-Profile verschiedener Länder

Die Beschreibungen der Kultur-Profile der hier aufgeführten Länder sind nur grobe Einordnungen und Erklärungen, die auf den Forschungen von Hofstede, Gesteland und Lewis beruhen. Auch wenn sich beim Vergleich der Länderbeschreibungen jede Menge Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Kultur finden, so sind die Unterschiede doch erheblich. „Interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit“ sollte deshalb immer im Kontext der persönlichen Begegnung betrachtet und analysiert werden. Die hier aufgeführten Kultur-Beschreibungen können deshalb nur als Richtwerte gesehen werden. Die Beschreibungen sind in Auszügen dem Buch von Beatrice Hecht-El Minshawi „Interkulturelle Kompetenz – For a Better Understanding“ entnommen.


Großbritanien

Engländer sind sachorientiert und gehören zur Gruppe der „low context culture“ (Hall). Mitglieder dieser Kultur sind sachorientiert und korrekt. Sie orientieren sich in ihren Entscheidungen an klar belegbaren Fakten und mögen Zahlen. Nach Hofstede ist ihre Machtdistanz nicht sehr ausgeprägt. Sie sind eher bereit, Risiken einzugehen. Vertreter dieser Kultur sind ausgesprochene Individualisten mit einer Tendenz zu Maskulinität. Engländer legen viel Wert auf Umgangsformen, wirken oft etwas steif und umständlich. Sie vertreten linear-aktive Kultur-Merkmale. Gesteland beschreibt sie als abschlussorientiert, beschränkt formell, monochron und reserviert.


Italien

Italiens Kultur wird von Hall als „high context culture“ klassifiziert. Machtdistanz und Sicherheitsbedürfnis (Hofstede) ist Italienern nicht immer wichtig. Italiener sind beziehungsorientiert und haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Individualismus. Vorherrschend in dieser Kultur ist die maskuline Verhaltensweise. Sie bewegen sich trotz ihres stark ausgeprägten Individualismus gerne in Gruppen, zeigen offen ihre Gefühle, sprechen und gestikulieren viel. Klare Zeitvorgaben mögen sie nicht. Mit Zahlen und Fakten allein sind Italiener kaum zu überzeugen. Oft reagieren sie darauf sogar ungehalten. Sie sind multi-aktiv und werden von Gesteland als wenig abschlussorientiert, formell, expressiv und beschränkt monochron beschrieben.


Indien

Inder sind sehr beziehungs- und dialogorientiert. Jeder Kontakt mit ihnen sollte deshalb stets über diese Ebene stattfinden. Nach Hall vertreten sie die „high context culture“. Inder haben eine hohe Machtdistanz (Hofstede) und sind sehr risikobereit. Die indische Kultur ordnet Hofstede im Mittel zwischen Individualismus und Kollektivismus ein. Genauso stellt sich das bei der Dimension Maskulinität und Femininität dar. Die indische Gesellschaft ist durch das Kastensystem geregelt, das - auch wenn es politisch abgeschafft ist - weiterhin in den Köpfen verankert ist. Es wird auf gute Beziehungen in der jeweiligen Gruppe geachtet.
Vertreter der oberen Kasten genießen ihren Status und fordern offen Respekt bei anderen ein. Ihr Kommunikationsverhalten ist indirekt. Kritik werden sie selten geradeheraus aussprechen. Das gilt in Indien als unhöflich. Der Umgang mit Zeit ist polychron und steht damit im krassen Gegensatz zum deutschen Zeitverständnis. Lewis positioniert die indische Kultur zwischen multi- und re-aktiver Kultur. Gesteland beschreibt Inder als beziehungsorientiert, formell, polychron und reserviert.


Türkei

Nach Hall sind Angehörige dieser Kultur sehr personenorientiert und werden in die „high context culture“ eingeordnet. Türken haben eine hohe Machtdistanz, relativ wenig Sicherheitsbedürfnis und sind entsprechend risikobereit (Hofstede). In der Dimension Maskulinität und Femininität finden sich die Türken im Mittelfeld. Gleiches gilt bei der Dimension Individualismus bzw. Kollektivismus. Normen und Regeln spielen eine große Rolle im privaten, aber auch im geschäftlichen Leben. In der Türkei wird zwischen beidem kaum getrennt. Beziehungen in der Familie sind wichtig und werden besonders gepflegt. Der Status und die Ehre der Familie stehen im Mittelpunkt ihres Handelns. Nicht immer offenbaren sie ihre Gefühle. Türken sind weitgehend multiaktiv (Lewis) mit einigen re-aktiven Anteilen. Gesteland beschreibt Türken als beziehungsorientiert, formell, polychron und beschränkt expressiv.


USA

Nach Hall gehören Amerikaner zur „low context culture“. Mitglieder der amerikanischen Kultur sind realistisch, pünktlich und zuverlässig sowie ziel- und faktenorientiert. Hofstede bescheinigt ihnen eine hohe Machtdistanz mit wenig Unsicherheitsvermeidung. Amerikaner legen großen Wert auf Individualität. Sie sind eher maskulin in ihrem Verhalten und sehr auf persönlichen Erfolg konzentriert. Gesetze und Regeln finden sie genauso notwendig, wie die Einhaltung von Zeitvorgaben. Lewis klassifiziert diese Kultur als linear-aktiv. Gesteland beschreibt Amerikaner als abschlussorientiert, informell, monochron und reserviert.

Ägypten

Hall (1976) beschreibt diese Kultur als „high context culture“ und hebt damit auch die Orientierung der Ägypter auf die Beziehungsebene hervor. Gleichzeitig pflegen sie nach Hofstede eine hohe Machtdistanz, was auch auf die im Land vorherrschenden hierarchischen Strukturen zurückzuführen ist. Angehörige dieser Kultur werden als wenig individualistisch beschrieben. In der Kultur Ägyptens existieren Maskulinität und Femininität gleichermaßen. Auffällig ist der Familienstolz. Nach Lewis sind sie eher multiaktiv und Gesteland beschreibt sie als beziehungsorientiert, formell polychron und expressiv.


Australien

Nach (Lewis 1996) zählen Australier zur linear-aktiven Kultur, deren Mitglieder logisch, sach- und aufgabenorientiert handeln. Sie zeigen eine geringe Machtdistanz (Hofstede) und ihr Sicherheitsbedürfnis ist nicht stark ausgeprägt. Sie sind bereit, auch Risiken einzugehen, soweit diese einigermaßen zu berechnen sind. Die Bevölkerung Australiens ist sehr individualistisch und maskulin strukturiert. Im Business bevorzugen sie klar vorgegebene Regeln in Bezug auf Inhalt und Zeit. Gesteland beschreibt diese Kultur als abschlussorientiert, informell, monochron und reserviert.


China

Chinesen gehören zur „high context culture“ (Hall). Vertreter dieser Kultur handeln sowohl monochronisch, als auch polychronisch. Das Bedürfnis nach Machtdistanz (Hofstede) ist relativ stark ausgeprägt, das Sicherheitsbedürfnis eher weniger. Sie sind risikobereit und handeln dabei häufig planlos. Nach Hofstede befinden sich Angehörige dieser Kultur im Mittelfeld der femininen-maskulinen Skala. Ihr kollektives Bewusstsein ist stark ausgeprägt. Sie sind fixiert auf ihre Gruppen und Kollektive und pflegen einen indirekten Kommunikationsstil. Chinesen lassen sich ungern bedrängen und zeitlich unter Druck setzen. Lewis beschreibt Chinesen als re-aktive Persönlichkeiten. Gesteland ordnet sie als beziehungsorientiert, formell, monochron und reserviert ein.


Deutschland

Hall ordnet Deutsche in die „low context culture“ ein und beschreibt sie als sachorientiert, realistisch, pünktlich und zuverlässig. Ihr Bedürfnis nach Machtdistanz (Hofstede) ist wenig ausgeprägt. Vertreter dieser Kultur gehen ungern Risiken ein, sie sind sehr abwägend und überlegt, ehe sie Entscheidungen treffen. Sie sind ausgesprochen individualistisch und wenig feminin. Deutsche mögen Planung, Regeln und Gesetze, nach denen sie sich im Alltag orientieren können. Sie tragen Gefühle ungern nach außen, äußern sich in Gesprächen jedoch gerne kritisch. Angehörige dieser Kultur pflegen ihren Status, den sie sich in der Regel mit harter Leistung erarbeitet haben. Lewis beschreibt diese Kultur als linear-aktiv und Gesteland als abschlussorientiert, beschränkt formell, monochron und reserviert.


Frankreich

Frankreichs Kultur passt eigentlich nicht so richtig nach Europa. Unser Nachbar ist uns Deutschen entfernungsmäßig sehr nah, seine Kultur entspricht jedoch eher der asiatischen Kultur. Nach Hall gehören Franzosen weder der „low context culture“ noch der „high context culture“ an. Das macht es schwierig, sie korrekt einzuordnen. Nach Hofstede ist ihre Machtdistanz nicht sehr ausgeprägt. Sie vermeiden Unsicherheiten und sind deshalb nicht besonders risikobereit. Sie sind Individualisten. Hofstede ordnet sie im Sinne von Maskulinität und Femininität eher letzterem zu. Franzosen legen viel Wert auf Lebensqualität und Lebensart. Lewis beschreibt sie als multi-aktive Personen mit einem hohen linear-aktiven Anteil. Franzosen gelten als zurückhaltend, abschlussorientiert, formell, beschränkt monochron und expressiv (Gesteland).


Spanien

Da Spaniens Kultur der italienischen sehr ähnlich ist, beziehen wir uns hier auf die Unterschiede der beiden Länder. Generell werden beide Kulturen in die „high context culture“ eingeordnet. Spanier sind beziehungsorientiert und haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Individualismus. Sie sind multi-aktiv und werden von Gesteland als wenig abschlussorientiert, formell, expressiv und polychron beschrieben.