Linear-aktive Kultur

Menschen, die der linear-aktiven Kultur zugehören, sind oft sehr gut organisierte Planer, die Aufgaben effektiv und hochkonzentriert angehen. Sie sind realistisch, pünktlich, verantwortungsbewusst und verlässlich.

Im Gespräch pflegen sie eine gut strukturierte und überlegte Kommunikation nach Frage-Antwort-Muster. Sie orientieren sich in der Kommunikation an Daten und Fakten und mögen klare Aussagen und Stellungnahmen. Ob ein Gespräch gut oder schlecht war, bewerten sie nach seinem Informationsgehalt. Ihre Entscheidungen beruhen in der Regel auf sachlichen Informationen.


Multiaktive Kultur

Menschen, die der multiaktiven Kultur zugehören, sind sehr beziehungsorientiert, aufgeschlossen und redselig. Sie gestikulieren und haben auch sonst eine ausgeprägte Körpersprache. In der Zusammenarbeit und bei der Herangehensweise an Aufgaben sind sie flexibel und kreativ, mögen aber keine strengen Zeit- und Sachvorgaben.
Weil sie immer viele Dinge gleichzeitig tun, erscheinen sie oft chaotisch. Ihr Zuhörverhalten ist dialogorientiert. Sie sind häufig unpünktlich, reagieren schnell ungeduldig und sehr emotional. Probleme lösen sie beziehungsorientiert und nutzen dabei gerne ihre Kontakte.


Reaktive Kultur

Menschen, die der reaktiven Kultur zugehören, sind höflich und zurückhaltend. Ihre Kommunikation folgt einem bestimmten Muster: Monolog – Pause – Reflexion – Monolog. Sie sind sehr konzentriert und zeigen ihren Respekt für ihr Gegenüber durch Schweigen und Zuhören. Sie sind vorsichtig und vermeiden Konfrontationen, was sich auch in der sprachlichen Verwendung von indirekter Rede und Passivformulierungen in der Kommunikation ausdrückt.
Typisch sind Halbsätze in der Kommunikation, wobei sie davon ausgehen, dass der Zuhörer schon weiß, wie sie zu ergänzen sind. Unmut und Verärgerung zeigen sie eher indirekt, häufig auch gar nicht.

Was ist Kultur?

Eine genaue Definition von Kultur ist schwierig. So ist es nicht verwunderlich, dass jeder unter diesem Begriff etwas anderes versteht: Geschichte, Literatur, Essen, Verhalten, Sprache, Bildung. Genannt werden aber auch Bereiche des Alltagslebens wie z.B. die Kultur des Wohnens, die Kultur der Unterhaltung oder die Kultur der Ernährung und der Tischmanieren. Hofstede (1991) erklärt den Begriff als eine „kollektive Programmierung des Geistes, welche die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von anderen unterscheidet“. Demnach unterscheidet sich Kultur hinsichtlich des Denkens und Fühlens, des Verhaltens, der Wahrnehmung sowie der Handlungsweisen und Wertevorstellungen.

Kultur entsteht, wenn sich Menschen mittels gemeinsamer Sprache, Werten, Regeln und Sichtweisen als zusammengehörig verstehen. Vieles davon resultiert aus den Traditionen eines Volkes, eines Landes, seiner Regionen und manchmal auch aus denen eines ganzen Kontinentes. Kulturelle Merkmale werden uns häufig erst dann bewusst, wenn wir uns selbst in einer anderen Kultur bewegen. Nicht selten erwartet uns in anderen Ländern dann ein richtiger Kulturschock. Mit Befremden reagieren wir in Amerika auf das übliche „How are you?“, mit dem wir ständig von wildfremden Menschen auf der Straße angesprochen werden – ohne dass es diese wirklich interessiert, wie es uns geht. Oder wir ärgern uns, wenn wir in Indien immer wieder in die falsche Richtung geschickt werden, weil kein Inder zugeben wird, dass er den Weg nicht kennt. Und seltsam finden wir die Japanerin, die sich vor dem älteren Bruder verneigt und die Eltern distanziert mit „Sie“ anspricht.


Kultur-Typen nach Lewis (1996)

Um Kulturen vergleichen zu können, gibt es verschiedene kulturtypische Klassifizierungen. Die hier beschriebenen Typen resultieren aus der Einteilung in linear-aktive, multiaktive und reaktive Kulturen nach Richard Lewis (Handbuch internationale Kompetenz 1996). Andere Ansätze zu den Kulturtypen finden Sie bei Geert Hofstede (Culture’s Consequences: International Differences in Work-Related Values 1985) und Edward T. Hall (Beyond Culture 1976) sowie Richard R. Gesteland (Global Business Behavior 1998). Im Kurs „Interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit erfahren Sie, welches Land tendenziell welchem Kultur-Typ angehört und wie Sie sich kulturtypengerecht verhalten. Länderbeispiele finden Sie hier:

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